Bericht von HD aus HH:

 

    Rekonstruktion der Entwicklung einer chronischen Pankreatitis,
    Oder: Zu guter Letzt geht’s auch ohne!

     


    Bis 1996 verlief für mich als inzwischen 57-Jährigen alles soweit normal. Jährliche Routineuntersuchungen beim Internisten ohne irgendwelche besonderen Befunde, abgesehen einmal von der Feststellung, dass sich zwei jeweils 5 mm große Gallensteine in der Gallenblase festgesetzt hatten. Und das bereits seit ein
    paar Jahren, ohne dass dadurch Probleme erwuchsen. Doch wer hat so etwas wissentlich oder unwissentlich nicht auch? Man kann damit bei ansonsten guter Gesundheit im wahrsten Sinne steinalt werden.
    Mitte April 1996 indes wies ein Blutbild einen Lipase-Wert von 6210 (normal: >190 [heute gelten wohl andere Messwerte]) bei uncharakteristischen Beschwerden im mittleren bis linken Oberbauch aus. Dazu eine leichte Blutzuckererhöhung. Nach
    etwa vier Wochen unter ärztlicher Beobachtung ein allmählicher Rückgang der Lipase-Werte auf 266.
    Dennoch: Anfang Juni 1996 für vier Tage zur näheren Untersuchung der Entwicklung ins Krankenhaus. Ergebnis nach CT, ERCP (Endoskopisch-retrograde Cholangio-Pankreatikographie) und Sonographie: Chronisch rezidivierende Pankreasschwanz-Pankreatitis mit Pseudozystenbildung, wobei die Zyste im weiteren
    Verlauf zunehmend septiert war. Dazu der sichere Nachweis der bereits vorhandenen Gallensteine sowie divertikelartige Ausstülpungen des Pankreasganges im Übergangsbereich Corpus/Schwanz mit etwas verplumpten Seitenästen. Keine
    Schmerzen, keine wesentlichen Beschwerden.
    Folge: Weitere regelmäßige Beobachtung bei gleichzeitiger absoluter Alkoholkarenz sowie fettarmer Kost. Denn, so die Mediziner: “Auf nichts reagiert eine Bauchspeicheldrüse so sehr wie gerade auf Alkohol und auf übermäßig fettes Essen.” Nur: Fettes Essen gab’s in meiner Familie nun wirklich so gut wie nie, wofür schon mein normaler Bodymass-Index sprach, und Alkohol trank ich gelegentlich allenfalls in Maßen (worunter bitte hier nicht die bayerischen Bierkrüge verstanden werden sollen!). Aber wie das nun einmal bei Bauchspeicheldrüsenproblemen im
    Sinne der Schulmedizin so ist: Zunächst glauben die Mediziner immer erst einmal, man sei ein Säufer. (Jahre später hat sich besonders mein Internist für diese in meinem Fall absolut unzutreffende “Diagnose” zu entschuldigen gewusst.)
    So weit - so gut. Alles schien okay. Keine Probleme, keine Schmerzen. Und dabei vorsorglich auf ein Glas Bier oder ein Gläschen Rotwein zu verzichten, gelang über Jahre hinweg ebenfalls völlig “schmerzlos”.
    Zum Frühlingsanfang 1997 gab das Vorliegen des nächsten Blutbildes meinem Internisten allerdings Anlass, mich umgehend anzurufen, um mich überraschend nach dem für mich nächstgelegenen Krankenhaus zu fragen, in das ich mich bitte sofort begeben solle. Grund: Inflationär hohe Lipase-Werte von 15.939 (normal: >190) und ein Amylase-Wert von 2.818 (normal >120). Meine eigene Entscheidung stand dagegen, zumal ich mich insgesamt prächtig fühlte. Der Kompromiss: Im Hause bleiben, aber während der nächsten Tage eine absolute Nahrungs-Karenz
    einhalten und nur ungesüßten Tee trinken. Die Vermutung: Die Gallensteine spielen verrückt und legen sich mir womöglich bösartigerweise ausgerechnet am Pankreasgang quer. Nachfolgende Blutbilddaten in Abständen von zunächst 3 und dann 10 bis 14 Tagen relativierten das Ganze bis Anfang Mai 1997 auf absolut normale Enzymwerte.
    Eineinhalb Jahre lang war soweit alles wieder in Ordnung. Keine
    neueren Beschwerden, keine Schmerzen, kein Druckgefühl im Oberbauch und zu was sonst eine Bauchspeicheldrüse sich noch hinreißen lassen könnte. Ihr schien es an nichts zu mangeln, und ganz offensichtlich war es ihr auch völlig egal, dass und ob ich die seit über zwei Jahren verordnete Alkoholkarenz strikt einhielt. (Macht ja nichts - es geht ja auch ohne diese Art von Drogen!)
    Die nächste Meldung von ihr kam indes einmal mehr über die jährliche Blutuntersuchung, die am 31.8.1998 einen Lipase-Wert von 3.619 aufwies. Jetzt aber Schluss mit lustig! Sofortige Einweisung durch den Internisten ins Krankenhaus ab dem 1.9.1998 mit Aufenthalt dort bis zum 14.9.1998.
    Darin: Ultraschalluntersuchung, Farbdoppler-Sonographie, Blutuntersuchungen, Diätkost, Tage des Nichtstuns und Wartens. Am 7. Tage eine MRT (Magnet- Resonanz-Tomographie), zwei Tage später eine erneute, bereits zwei Jahre zuvor kennen gelernte, ERCP (siehe oben). Im Ergebnis war nach MRT, ERCP und erneuter Ultraschalluntersuchung am letzten Tage festzustellen, dass wohl eigentlich der Pankreasgang keine Blockaden aufwies, sich andererseits dort eine gewisse“Schleimbildung” zeigte. Empfehlung: Da mutmaßlich die vorhandenen Gallensteine in ihrer unkontrollierten Beweglichkeit der Grund allen Übels waren, diese sich aber immer nur dann störungsfrei verhielten, wenn gerade einmal mittels MRT, ERCP und Sonographie Gallen- und Pankreasganguntersuchungen durchgeführt wurden -, weil also diese Steinchen ganz und gar nicht dem Wert von Preziosen entsprechen:Raus mit dem ganzen Gallen-Reservekanister! Die Leber schafft es auch ohne ihn (soweit man der Verdauung nicht ständig Schweinshaxen und andere belastende Fettigkeiten zuführt).
    Diese OP folgte also schon prompt eine Woche später mit Krankenhausaufenthalt vom 22.9. bis 1.10.1998. Wobei auch hier neben erforderlicher Sonographie und ERCP während der ersten 5 Tage die Warteschleife des Nichtstuns lief. Die OP (laparoskopische Cholezystektomie) fand dann auch erst am späten Nachmittag des
    28.9.1998 statt. Abschließend noch eine Sonographie. Zu der zweieinhalb Jahrezuvor diagnostizierten “Chronisch rezidivierenden Pankreasschwanz-Pankreatitis mit Pseudozystenbildung” war - kurz gesagt - danach soviel festzustellen, dass sich nach der Gallenblasen-OP “zunehmend ein deutlich im Kaliber abnehmender Pankreasgang abbildete, die Pankreatitis unter kurzzeitiger Nahrungskarenz bei
    rückläufigen Pankreasenzymen und laborchemischen Entzündungsparametern klinisch rasch abheilte”, und ich somit mit drei in der Bauchgegend unterschiedlich platzierten OP-Löchern drei Tage danach schon wieder beschwerdefrei nach Hause
    entlassen war.
    Dennoch ab 30.7.1999 (diesmal schon nach 10 Monaten) erneut 11
    Tage Krankenhaus. Problem: Das Ergebnis einer Blutuntersuchung ergab einmal mehr einen Pankreatitis-Schub mit den bereits erwähnten früheren “inflationären Pankreas-Werten”, ohne dass wirkliche körperliche Beschwerden vorlagen. Somit also erneut das Programm mit antibiotischen Infusionen, Nahrungs-Karenz, Sonographie und einem ersten leichten Essen nach 5 Tagen. Die Lipase- und Amylase-Werte bildeten sich prompt und zügig wieder in den Normalbereich zurück.
    Erst nach gut zwei Jahren ging’s diesmal weiter. Das Ergebnis der
    üblichen Routineuntersuchung gegen Ende Oktober 2001: “Symptomfreie Lipasebzw. Amylaseerhöhung auf 788 (<190) bzw. 202 (<120)” mit anschließend ambulant durchgeführter CT bei einem Facharzt für Radiologie. Dessen Befund am 5.11.2001:
    “Aufstau des Pankreas-Ganges auf ca. 8 mm mit Raumforderung im Bereich der Papille. Keine Entzündungszeichen; vorhandene (bekannte) Pseudozyste im Schwanzbereich von ca. 30 mm”. Dazu die Empfehlung für eine möglichst zeitnahe ERCP, die dann am 29.11.2001 wiederum im Krankenhaus durchgeführt wurde.
    Zur Vermeidung sämtlicher medizinischer Fachbegriffe seien hier nur kurz im Ergebnis begriffartig zusammengefasst:
    Entzündliche Begleitreaktion am Zwölffingerdarm bei
    bekannter chronischer Pankreatitis und Pseudozyste im Schwanzbereich. Hochgradiger Verdacht auf schleimbildenden Prozess mit Gangausbildung. Aus einer danach folgenden chirurgisch-internistischen Besprechung unter Herbeiziehung sämtlicher Akten und radiologischer Vorbilder ab dem Jahre 1996 ergab sich eine wahrscheinliche OP-Indikation.
    Die “Entwarnung” dazu kam am 7.12.2001 mit dem Bedauern über eine evtl. bei mir verursachte Beunruhigung. Ein Tumor-Verdacht hatte sich nicht bestätigt.
    Ansonsten keine besonderen Maßnahmen, sondern weiterhin konsultative Behandlung und evtl. Beurteilungen durch den Internisten als meinem Hausarzt.
    Das ging auch weiterhin alles soweit gut. Keine spürbaren Beschwerden in den folgenden fast 3 ½ Jahren.
    Bis im Februar 2005 zunehmend ein bis dahin nicht gekannter Durst
    (regelmäßig gestillt mit [ausgerechnet] Coca Cola und Apfelsaft) mich mit einer entsprechenden Fragestellung nach der Ursache zu meiner Hausärztin trieb. (Mein mich bis dahin betreuender Internist war - wie auch ich - seit 2003 inzwischen im Ruhestand.)
    Übermäßiger Durst? Etwaige vorangegangene Krankengeschichte? Chronische Pankreatitis? Blutzuckermessung!! Die Werte weit über 400 mg/dl. Dagegen zunächst einmal zuckersenkende Tabletten. Parallel eine Sonographie und am 1.3.05 eine erneute CT beim Radiologen mit dem Bild allen bisher Bekannten. Allerdings jetzt zusätzlich die Erweiterung des Pankreas-Ganges auf nunmehr 9 mm, sowie neue pseudozystenartige, wenngleich septierte, Strukturen und “ein suspektes Areal mit unscharfer Berandung von 21 mm Durchmesser am Kopf”.
    Besprechung der Thematik auf der medizinischen Station im Krankenhaus am 15.3.05. Stationäre Aufnahme zur Endosono dort mit Verzögerung am 5.4.2005.
    Endosonographie unter Vollnarkose am gleichen Tag. Diagnose: hochgradiger Verdacht auf “IPMT vom MDT-Typ” (heißt: intraduktaler papillärer muzinöser Tumor vom main duct type) mit allerdings keiner wirklich abschließenden sofortigen Erkenntnis.
    Also Ärztekonferenz am nächsten Morgen mit der Folge einer weiteren ERCP und erneuten CT am 7.4. und 8.4.2005. Dazu ein vorbereitendes Gespräch mit den leitenden Ärzten auf eine mögliche, dann allerdings auch schwere OP. Dennoch:
    Am Nachmittag des 8.4.2005 (Freitag) erst einmal Abmarsch nach Hause mit dem Hinweis auf eine nochmalige (ambulante) Nachuntersuchung am folgenden Montag, dem 11.4.05, mittels eines am Wochenende in der Klinik neu installierten high-tech- Gerätes namens “TJF-160R 2200936”, das eine ERP mit Pankreoskopie ermöglichen sollte. Unter Anwesenheit der Techniker der Herstellerfirma also erstmalige Anwendung des Gerätes unter mir verabreichter Vollnarkose und nachmittags wiederum Abmarsch nach Hause. Der Befund - diesmal hübsch in farbiger Darstellung der Gangstruktur - bestätigte die vorangegangenen Erkenntnisse mit dem
    Hinweis auf schleimbildenden, gallertartigen Ausfluss, also Verdacht auf “muzinöses Pankreas-NPL” ( meint soviel wie: Neoplastom, also neu aufgetretene Raumforderung [Gewebeneubildung] im Pankreas.) und führte innerhalb der Klinik zu verschiedenen weiteren Ärztekonferenzen (I. Medizinische Abteilung / Endoskopie und I. Chirurgie / Allgemein- und Viszeralchirurgie) sowie letztlich unter Hinzuziehung des Europäischen Pankreaszentrums des Universitätsklinikums Heidelberg, was die abschließende Beurteilung zur Vorgehensweise anging.
    Gut Ding will Weile haben. Knapp 3 Wochen später, am Freitag, dem 29.4.05 vormittags die telefonische Bitte aus dem Krankenhaus: “Können Sie noch heute zu einer Vorbesprechung und Untersuchung zu uns kommen und am Sonntag, dem 1. Mai zur Einweisung erscheinen, denn Herr Prof. Dr. T. will Sie am Montag operieren.” Aus heiterem Himmel also plötzlich Zeitdruck. Eine knappe Stunde später, und ich wäre unterwegs gewesen zur Ruhestandsverabschiedung eines ehemaligen
    Kollegen. Das also mit Bedauern absagen. Ebenso alle vornotierten Termine der nächsten Wochen, da ja zweifellos mit einem längeren Aufenthalt in der Klinik gerechnet werden musste. Zumindest, soweit die schwere Operation gelingen würde. Und wenn nicht, wären ohnehin alle Termine in alle Zukunft hinein obsolet.
    Also einige Stunden später ab zur Voruntersuchung ins Krankenhaus, den darauffolgenden Sonnabend nochmals wieder zu Hause, und ohne Tanz in den Mai am Sonntag dann Quartier in der I. Chirurgie. Was dann am Montag, dem 2. Mai 2005 dort an mir vorgenommen wurde, entzieht sich ab der erteilten Vollnarkose absolut meiner unmittelbaren Kenntnis.
    (Den OP-Bericht und die makroskopisch/histologischen Befunde, welche die Pathologie noch während der Operation an die Chirurgie lieferte, habe ich mir erst Wochen später zu Gemüte geführt.)
    Am Ende jedenfalls - so die telefonische Benachrichtigung an meine Frau - war alles perfekt und erfolgreich verlaufen, ein Karzinom war nicht nachweisbar, ich lag auf der Intensivstation und war ansonsten um so wesentliche körperliche Bestandteile wie Bauchspeicheldrüse, Milz, Zwölffingerdarm (jeweils komplett) und zwei Drittel des Magens ärmer. Dem Vernehmen nach soll die Bauchspeicheldrüse bei entsprechender Betrachtung nach der OP in ihrer Entwicklung meinem realen Alter bereits um Jahrzehnte voraus gewesen sein. Oder anders ausgedrückt: Sie
    war gewissermaßen bereits “verledert”. Schade nur, dass die Pathologie sie nicht mehr herausrücken wollte. Hätte ich mir doch daraus ein nettes Ledertäschchen für die nunmehr erforderlichen Insulin-Pens machen lassen können :-) :-) :-).
    Indes: An Humor ist einem nach einer solchen OP ohnehin nicht gelegen. Saft- und kraftlos liegt man danieder und beginnt erst nach knapp drei Wochen, sich wieder einigermaßen zu berappeln. Der mit der OP verbundene Gewichtsverlust betrug rund 15 kg, (vergleichbar durchaus also mit einer über alle Vorstellungen hinausgehenden Fettabsaugung) und reduzierte mein neues Lebendgewicht auf sagenhafte 66,5 kg bei gleichzeitiger voller Drogenabhängigkeit, weil ab sofort insulinpflichtig. Also Diabetiker, nicht Typ 1 oder 2, sondern Typ 3c (pankreopriv).
    Dazu machten mir Störungen der Feinmotorik in beiden Händen und eine Schwäche in beiden Armen zu schaffen, deren Ursache sich nach Farbdoppler-Untersuchung als eine hochgradige Stenose der rechten Halsschlagader erwies, die sich (durch die lange Narkose?) als zu über 95% durch kurzstreckige Plaques verengt erwies. Was natürlich eine weitere Operation erforderlich machte. Gleichzeitig war aber eine unmittelbare Reha angezeigt sowie das eigene Bedürfnis, ab dem
    25.5.2005 auch einmal wieder ein paar Tage zu Hause verbringen zu wollen.
    Die Reihenfolge also: Fünf Tage im Hause und ab dem 30.5.2005 für
    drei Wochen in ein Reha-Zentrum im schleswig-holsteinischen Mölln. Spezialisiert ist man dort unter anderem auf die Anschlussheilbehandlungen nach sowohl Erkrankungen
    oder nach einer OP der Verdauungsorgane sowie auf die Therapie und Behandlung von Stoffwechselerkrankungen, wie z.B. besonders dem Diabetes mellitus, was denn auch ganz explizit einer Reihe von dort anwesenden Reha-Patienten am äußerlichen Format anzusehen war.
    Deren Programm einer intensiven sportlichen Aktivität zum “Gewichtmachen” (also herunter vom Super-Schwergewicht auf ein gesundes Mittelgewicht) sowie “Lerne richtiges Kochen mit der Unterstützung von Diätassistentinnen” (leider noch nicht im Fernsehen!) versprach mir mit meinem neu gewonnenen Waschbrettbauch nun nicht gerade die Erfüllung der mir verordneten Reha. Daher also “No Sports” aber dafür Erholung und Entspannung bei dem gleichzeitigen Bemühen, gemeinsam mit den dort tätigen medizinischen Kräften eine passable Blutzuckereinstellung auf den Weg zu bringen, was allerdings dort nicht wirklich gelang. In einem Fall bezog sich die Diagnostik eines Jungarztes denn auch mehr auf eine mögliche Fehlfunktion meines übrigens tadellos arbeitenden Blutzuckermessgerätes, denn auf eine korrekte Bemessung seinerseits der mir zu verabreichenden, also erforderlichen Insulinmenge. In einem anderen Fall wurde nach einer körperlichen Untersuchung in
    der berichtsmäßig erfassten Anamnese zum Einen fälschlicherweise von einer Pankreas-Resektion anstelle einer Pakreatektomie ausgegangen und zum Anderen sogar ganz bedeutungsvoll davon, dass meine “Milz nicht vergrößert aber gut tastbar” sei. (Es wird mir ein ewiges Rätsel bleiben, wie es den Ärzten im Reha-Zentrum gelungen sein kann, an meine Milz aus der Krankenhaus-Pathologie zu gelangen!
    Wo man mir doch schon das verlederte Pankreas verweigert hatte.)
    Soviel zur Reha bis zum 18.6.2005. Was also noch blieb, war das Vorgespräch im Krankenhaus am 22.6.2005 zum Thema Carotisendarteriektomie, also dem erforderlichen Eingriff an der zur Verstopfung neigenden Halsschlagader mitder Einlieferung am 26.6., der Operation am 27.6.2005 und der erstaunlich schnellen Entlassung drei Tage später.
    Vier Jahre danach verfüge ich inzwischen über die Erfahrung von rund 8760 Insulin-Pen-Einstichen mit Kanülen der Größenordnung 8 mm x 0,33 mm in Leib und Oberschenkeln (was nach Adam Riese mit täglich zweimal Basis und viermal Bolus leicht nachzuvollziehen ist und sich somit in den folgenden - einmal vorsichtig geschätzten - weiteren 30 Lebensjahren auf dann wohl insgesamt knapp 75.000 erhöht haben dürfte. - (Vorausgesetzt natürlich, dass nicht irgendetwas Unerwartetes eintritt und auch meine 10 Fingerspitzen dann immer noch mit winzigen Blutströpfchen auf das kleine “Bolzenschussgerät” reagieren, um dadurch die Blutzuckerwerte messbar zu machen.)
    Anders ausgedrückt: Es geht mir erstaunlich gut. Essen kann ich so ziemlichalles was mir schmeckt, wenn es nicht zu fett ist (wie z.B. Schlagsahne) und somit von den vor den Mahlzeiten zugeführten “Mehlwürmern” (medizinisch/pharmakologisch: Enzyme-Kapseln) im Verdauungstrakt ordnungsgemäß verarbeitet wird, was regelmäßig geschieht. Nach der Alkoholkarenz in den Jahren 1996 bis 2005 schmeckt auch seit vier Jahren wieder ein Gläschen trockenen Rotweins oder ein Pils zum Essen genau so, wie auch hin und wieder einmal ein Schnaps oder ein Cognac zum Genuss. Warum auch nicht? Denn zur Erinnerung: “Auf nichts reagiert eine Bauchspeicheldrüse so sehr wie gerade auf Alkohol ....”. Aber bitte, welche Bauchspeicheldrüse in meinem Falle? Mein Arzt gab mir jedenfalls Recht zu meiner Auffassung.
    Und übrigens: Coca Cola (die Echte) oder Fruchtsaft trinke ich, wenn auch nicht gerade gegen übermäßigen Durst, so doch bei Bedarf dann, wenn ich spürbar merke, dass mein Blutzuckerspiegel “in den Keller” zu gehen beabsichtigt. Das ist hin und wieder dann der Fall, wenn ich zur verabreichten Insulinmenge womöglich zu wenige Kohlenhydrate zu mir genommen habe. Das ist bisher immer körperlich vorab spürbar bei ca. 65 bis 60 mg/dl abwärts und weckt mich gegebenenfalls sogar nachts für ein Glas Saft und ein paar Kohlenhydrate aus dem Schlaf. (Dumm nur, dass dann für die halbe Stunde des Aufseins nichts Vernünftiges im Fernsehen
    läuft.) Und auf das Dawn-Phänomen mit seiner körpereigenen Glucose-Zufuhr in den frühen Morgenstunden ist eben auch nicht immer Verlass. Daher “Phänomen”!
    Natürlich klappt die technisch/mechanische Insulinzufuhr nie so perfekt wie ein körpereigenes Insulin in einem völlig gesunden Körper nun einmal funktioniert.
    “Achterbahnfahrten” zwischen 40/50 mg/dl und 270/300 mg/dl weist daher meine Blutzuckerbuchführung durchaus hin und wieder aus. Aber da kann man ja in solchen Fällen so oder so dagegen halten. Kein wirkliches Problem also. Der so genannte BZ-Zielwert von 100 mg/dl kann also in des Wortes wahrsten Sinne immernur das Ziel sein; alles andere regelt der Weg dahin. Ein vierteljährlicher HbA1c- Wert von 6,3 bis 7 Prozent sagt ein Übriges.
    Fazit nach etlichen Jahren: Wenn das Pankreas nicht mehr will, seine Tätigkeiten einstellt und mit seinen Nebenelementen operativ komplett entfernt werden muss, dann braucht es zum Einen ein Spitzen-Chirurgen-Team und dann
    geht’s zu guter Letzt auch ohne!

    H. D.